Große Namen im Congress Park

Die Räume und Foyers des CPH tragen große Namen. Wer waren die Namensgeber unserer Tagungs- und Kongresssäle und was haben sie mit Hanau zu tun?

Karoline von Günderrode (1780-1806), Tagungsraum 1
Moritz Daniel Oppenheim (1800–1882), Tagungsraum 2
August Gaul (1869 - 1921), Tagungsraum 3
Reinhold Ewald (1890-1974), Tagungsraum 4
Pauli Schmorell (1899 - 2005), Tagungsraum 5
Jacob und Wilhelm Grimm, Brüder-Grimm-Saal
Paul Hindemith (1895–1963), Paul-Hindemith-Saal
Alexander Friedrich Landgraf von Hessen (1863 - 1945), Kammermusiksaal
Anton Wilhelm Tischbein 1730 - 1804), Foyer Anton Wilhelm Tischbein
Christiane Henriette Dorothea Westermayr (1772- ca. 1834), Foyer Henriette Westermayr (Historisches Foyer)

Karoline von Günderrode (1780-1806), Tagungsraum 1 Nach Oben

Man nannte sie schon im neunzehnten Jahrhundert die „Sappho der Romantik“ – Karoline von Günderrode, eine der schillerndsten Figuren der deutschen Romantik. Sie war verwandtschaftlich eng mit der Stadt verbunden, ihr Großvater war Regierungs- und Hofgerichtsrat in Hanau. Sie selbst lebte von 1786 an in Hanau, ehe sie als 17-jährige in das Cronstetten-Hynsperg´sche Stift Frankfurt aufgenommen wurde. Das Werk Karolines wird bis heute von ihren Liebesgeschichten überlagert. Hin- und hergerissen zwischen Liebe und Freiheitsdrang spiegelt ihr Leben die Situation der Frau in der bürgerlichen Elite um 1800. Die Radikalität, mit der Karoline von Günderrode ihr Gefühl auszuleben versuchte, faszinierte schon ihre Zeitgenossen. Im Alter von 26 Jahren wählte sie den Freitod und erdolchte sich. Nach ihrem Tod erschienen mehrfach Auswahlbände ihres poetischen Werks, vor allem ihrer Briefe. In den 1970er Jahren wurde Karoline zu einer Identifikationsfigur der Frauenbewegung.

Moritz Daniel Oppenheim (1800–1882), Tagungsraum 2 Nach Oben

Moritz Daniel Oppenheim (Bild: Medienzentrum Hanau) Selbstporträt Moritz Daniel Oppenheim (Bild: Medienzentrum Hanau)

Die Arbeiten von Moritz Daniel Oppenheim sind heute weltweit in allen bedeutenden Kunstsammlungen zu finden. In der Hanauer Judengasse (heute Nordstraße) geboren, besuchte er ab 1810 die Hanauer Kurfürstliche Zeichenakademie. Dort unterrichteten ihn der Maler und Kupferstecher Conrad Westermayr und dessen Frau Henriette im Zeichnen und Malen. Ab 1820 studierte Oppenheim am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt. Er war der erste jüdische Künstler, der eine akademische Ausbildung erhielt.

August Gaul (1869 - 1921), Tagungsraum 3 Nach Oben

August Gaul (Bild: Medienzentrum Hanau) August Gaul (Bild: Medienzentrum Hanau)

Der gebürtige Großauheimer Bildhauer August Gaul zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Moderne. Nach der Ausbildung an der Hanauer Zeichenakademie wechselte Gaul 1888 nach Berlin. Er konzentrierte sich auf das Tiermotiv und gestaltete monumentale Skulpturen in Stein und Bronze, aber auch Klein- und Kleinstformate. Zu seinen herausragenden Werken für den öffentlichen Raum zählen die beiden Portalfiguren „Liegende Wisente“ vor der Kunsthalle Kiel sowie eine vielseitige Bauplastik am Klöpperhaus in Hamburg. Das Museum Großauheim zeigt in der neu gestalteten Abteilung eine Auswahl von frühen Entwürfen und Gussausformungen, darunter den einzigen frühen Guss der großen „Stehenden Löwin“, die als Wegbereitung der modernen deutschen Plastik gilt. Weitere Werke von August Gaul befinden sich im Historischen Museum Hanau Schloß Philippsruhe.

Reinhold Ewald (1890-1974), Tagungsraum 4 Nach Oben

Reinhold Ewald (Bild: Medienzentrum Hanau) Selbstporträt Reinhold Ewald (Bild: Medienzentrum Hanau)

Der expressionistische Maler und Bildhauer war von 1921 bis 1933 und von 1949 bis 1963 Lehrer an der Zeichenakademie in Hanau. Im Innern der 1922/23 errichteten Pfarrkirche St. Peter und Paul zu Dettingen schuf Ewald einen beeindruckenden Zyklus großformatiger Wandgemälde zur Passion Jesu und zum Marienleben. Bau und Ausmalung der Dettinger Kirche bilden zusammen ein expressionistisches Gesamtkunstwerk. 1937 beschlagnahmten die Nazis Ewalds Bilder als Entartete Kunst. Während des Krieges arbeitete er in einer Glashütte in der Oberlausitz. In den letzten Kriegstagen 1945 zum Volkssturm rekrutiert, desertierte er und verbarg sich in der Turmruine im Wilhelmsbader Park.

Pauli Schmorell (1899 - 2005), Tagungsraum 5 Nach Oben

Pauli Schmorell (Bild: Medienzentrum Hanau) Pauli Schmorell (Bild: Medienzentrum Hanau)

Als Zwölfjährige nach Hanau gekommen, widmete sich Pauli Schmorell, Lehrerin und Erzieherin aus Berufung, mit großer Hingabe der Musik- und Jugendbildung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs knüpfte sie Verbindungen mit Chören und Tanzgruppen in Frankreich, der Schweiz, Belgien, Holland und England. Dahinter stand die Erkenntnis, dass internationale Kontakte und das damit einhergehende Verständnis füreinander wesentlich zur Sicherung des Friedens beitragen. 1946 gründete sie den „Wilhelmsbader Kreis“, der durch Musik und Tanz in den schweren Nachkriegsjahren durch öffentliche Auftritte und Darbietungen in Altersheimen und Krankenhäusern vielen Menschen in Stadt und Landkreis den düsteren Alltag erhellte. Durch Musik- und Gesangsbeiträge im Hessischen Rundfunk und Mitwirkung bei großen Singwettbewerben wurde ihre Arbeit auch überregional bekannt. 1971 erhielt sie das Verdienstkreuz 1. Klasse, anlässlich ihres 90. Geburtstages wurde Pauli Schmorell mit der August-Gaul-Plakette geehrt, der höchsten kulturellen Auszeichnung der Stadt Hanau.

Jacob und Wilhelm Grimm, Brüder-Grimm-Saal Nach Oben

Brüder Grimm (Bild: Ludwig Emil Grimm; Quelle: Museum der Stadt Hanau) Jacob und Wilhelm Grimm (Bild: Ludwig Emil Grimm; Quelle: Museum der Stadt Hanau)
Jacob (1785 – 1863) und Wilhelm Grimm (1786 – 1859), Brüder-Grimm-Saal
Hanau markiert den Beginn des Lebenswegs von Jacob und Wilhelm Grimm, der über viele Stationen in Deutschland und Europa verlief. Das weltberühmte Brüderpaar wurde in Hanau geboren und verbrachte bis 1791 die Kinderjahre in der Stadt. Das Geburtshaus stand am heutigen Freiheitsplatz und fiel, wie die gesamte Innenstadt, 1945 den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Wenngleich die Grimm‘schen „Kinder- und Hausmärchen“ vielfach übersetzt worden sind und hinsichtlich der Auflagenstärke nur von der Bibel übertroffen werden, waren Jacob und Wilhelm Grimm weit mehr, als Märchensammler. Sie waren Germanisten, Sprachwissenschaftler, Demokraten und Freiheitskämpfer. Neben der „Deutschen Grammatik“ ist das „Deutsche Wörterbuch“ ihr größtes Werk. Die Stadt Hanau lobt seit 1983 alle zwei Jahre den angesehenen Brüder-Grimm-Preis für Literatur aus. Seit 1985 gibt es die Brüder-Grimm-Festspiele im Amphitheater, deren Aufführungen bereits über eine Million Gäste aus Nah und Fern besucht haben.

Ausführliches Portrait von Jacob und Wilhelm Grimm

Paul Hindemith (1895–1963), Paul-Hindemith-Saal Nach Oben

Paul Hindemith im Jahr 1942 (Bild: Medienzentrum Hanau) Paul Hindemith (Bild: Medienzentrum Hanau)
Der Musiker, Pädagoge, Musiktheoretiker und Komponist der Neuen Musik wurde in der Hanauer Vorstadt geboren. Hindemith schrieb für alle Instrumente, die er übrigens auch selbst spielen konnte: Streichquartette, Sonaten, Kammermusik, Klaviermusik, Vokalmusik, große Orchesterwerke, Chorwerke und Opern, von denen „Cardillac“ und „Mathis der Maler“ zu den vielgespielten Werken gehören. Von 1927 bis 1935 hatte er eine Professur in Berlin inne. 1938 emigrierte er zunächst in die Schweiz, dann in die USA, wo er von 1940 bis 1953 als Professor an der Universität Yale war.
Das Glockenspiel im Turm des Neustädter Rathauses am Marktplatz spielt täglich um 12 Uhr Hindemiths Kanon „Wer sich die Musik erkiest“, op. 45 II. Die Stadt Hanau verleiht seit 2000 alle zwei Jahre den renommierten Paul Hindemith-Preis. Bisher wurden unter anderem der Jazzposaunist Albert Mangelsdorff, der Komponist Rolf Riehm, der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim, die Bratschistin Tabea Zimmermann und der Dirigent Paavo Järvo ausgezeichnet.

Ausführliches Portrait von Paul Hindemith

Alexander Friedrich Landgraf von Hessen (1863 - 1945), Kammermusiksaal Nach Oben

Alexander Friedrich Landgraf von Hessen (Bild: Medienzentrum Hanau) Alexander Friedrich Landgraf von Hessen (Bild: Medienzentrum Hanau)

Alexander Friedrich Wilhelm Albrecht Georg von Hessen aus der Linie Hessen-Kassel-Rumpenheim des Hauses Hessen war Titular-Landgraf von Hessen-Kassel und Komponist. Er liebte Musik und Kunst und förderte die Musik der Komponisten der Romantik und der Moderne. Sein eigenes musikalisches Schaffen begann schon sehr früh. In Frankfurt, wo er mit seiner Mutter die Wintermonate verbrachte, verkehrte er mit Künstlern wie Joachim Raff, Clara Schumann und Robert Schumann, Engelbert Humperdinck oder Johannes Brahms und nahm selbst aktiv am Musikgeschehen teil. Er suchte die Nähe zu Franz Liszt, Edvard Grieg und Richard Wagner, den Komponisten der sogenannten Neudeutschen Schule. Seine starke Sehbehinderung zwang ihn, seine Kompositionen in Braille-Musikschrift zu verfassen. Sein musikalischer Nachlass ist bis heute zum Teil noch unerschlossen. Alexander Landgraf von Hessen war das letzte Familienmitglied, das Schloss Philippsruhe bewohnte. Neben dem Kammermusiksaal im Congress Park ist in Hanau-Kesselstadt die Alexanderstraße nach ihm benannt.

Anton Wilhelm Tischbein 1730 - 1804), Foyer Anton Wilhelm Tischbein Nach Oben

Anton Wilhelm Tischbein (Bild: Medienzentrum Hanau) Anton Wilhelm Tischbein (Bild: Medienzentrum Hanau)

Anton Wilhelm war ein deutscher Maler aus der Künstlerfamilie Tischbein. Zur Unterscheidung von anderen Familienmitgliedern wurde er auch „Hanauer Tischbein“ genannt. Er kam 1769 als Hofmaler von Erbprinz Wilhelm nach Hanau, wo er ab 1772 am Aufbau der Zeichenakademie als Mitglied und Lehrer mitwirkte. Neben fürstlichen Familienangehörigen malte Anton Wilhelm Tischbein auch wohlhabende Patrizier aus der Reichsstadt Frankfurt, beispielsweise Johann Christian Senckenberg oder Mitglieder der Familien Brentano und La Roche. Wenngleich Porträts sein Hauptwerk ausmachen, schmückte der „Hanauer Tischbein“ als Gebäudemaler unter anderem das Schloss in Wilhelmsbad.

Christiane Henriette Dorothea Westermayr (1772- ca. 1834), Foyer Henriette Westermayr (Historisches Foyer) Nach Oben

Henriette folgte ihrem Mann Conrad Westermayr 1806 von Weimar nach Hanau, als dieser Professor an der Akademie in Hanau wurde. Sie unterstützte ihn maßgeblich dabei, der verfallenen Zeichenakademie zu neuer Blüte zu verhelfen. Neben Sticken und Zeichnen malte sie in Oel, Gouache, Aquarell und Sepia, beherrschte sie die Techniken des Radierens und in Kupfer Ätzens. In Hanau malte Henriette Westermayr vor allem Porträts und Landschaften und fertigte in großem Stil Stickereien.
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